Wie Atomkraft und ein Repressionsstaat sachnotwendig zusammenhängen

Aus dem Buch Weltniveau von Otto Ullrich:
Die Kerntechnologie führt sachnotwendig zu einer totalitären Gesellschaft: Die Grundtatsache der Gefährdung des Biosystems durch radioaktive Stoffe ist durch keinen wissenschaftlich-technischen Fortschritt aus der Welt zu schaffen. Wer glaubt, das grundsätzliche Problem der Gefährdung durch Kerntechnologie werde sich durch wissenschaftlich-technischen Fortschritt in der Zukunft, oder in einer anderen Gesellschaft entschärfen, der offenbart naive Wissenschaftsgläubigkeit.
Den Gegnern von „fortschrittlichen Technologien“ wird in der Regel „Irrationalität“ und „Unwissenschaftlichkeit“ vorgeworfen. Aber in diesem Punktsind es die Gegner der Kernenergie, die auf dem festen Bodden naturwissenschaftlicher Fakten stehen, (…)Die einzige Möglichkeit, die Grundtatsache der Gefährdung durch die Kerntechnologie „abzumildern“ ist die KONTROLLE. Notwendig ist nicht nur eine technische Kontrolle durch ausgeklüngelte Alarm- und Sicherheitssysteme.
Hier lassen sich noch Fortschritte erzielen. In dem verzweifelten Glauben, hier läge das Hauptproblem, verschleudert allein das Technologie-Ministerium in Bonn hohe Milliardenbeträgean Steuergeldern für „Reaktorsicherheitsforschung“, um die angeblich so sicheren Kernkraftwerke noch sicherer zu machen. Dabei kann ein noch so raffiniert technisch abgesichertes system immer durch die „Störquelle Mensch“ außer Wirkung gesetzt werden, sei es unabsichtlich durch Schlamperei oder absichtlich durch Böswilligkeit. So ist vor allem eine Kontrolle der Menschen notwendig, die mit diesenSachen umgehen, und es ist zu fragen, wieweit diese Kontrollnotwendigkeiteine Gesellschaft verändern kann. Eine geringe Zahl von Kernkraftwerken ließe sich vielleicht noch kontrollieren, ohne Rückwirkungen auf die Gesellschaft insgesamt. Aber die Kerntechnologie ist auf Expansion ausgelegt, denn schon bei wenigen Kernkraftwerken handelt es sich um ein umfangreiches Technologiesystem, und für nur wenige Kraftwerkseinheiten hätte sich der Riesenaufwand nie gelohnt. Von weltweit 5000 Reaktoren im Jahr 2050 ist die Rede, und die Sowjetunion hat jetzt schon eine Art Fließbandproduktion für Kernkraftwerke errichtet. Außerdem gehören zu Kernkraftwerken noch Wideraufbereitungsanlagen und Endlager. Wesentlich ist jedoch, dass die bisher praktizierte Kerntechnologie auf Uranbasis sich langfristig nur lohnen würde, wenn auf die Brütertechnologie umgestellt wird. Bisherige Kernkraftwerke nutzen das knappe Uran sehr schlecht aus, so dass die ganze Technologie, die zu bewachenden „Müll“ für viele tausend Jahre hinterlässt nur für eine kurze Übergangszeit Energie liefern würde. Die Brüter sollen im Idealfall mehr Brennmaterial „erbrüten“, als sie verbrauchen, so daß die Uranvorräte für einen sehr langen Zeitraum gestreckt werdenkönnten. Brüter sind also keine die sachlogische „Weiterentwicklung“ der heutigen Kerntechnologie. Davon sind auch die Wissenschaftspropheten in der SU und DDR überzeugt. Brüter stellen aber ein noch wesentlich höheres Gefährdungspotential dar als herkömmliche Kernkraftwerke, vor allem weil im Brütersystem große Mengen Plutonium anfallen. Plutonium ist schon in winzigsten Mengen äußerst giftig, es hat eine sehr große Halbwertszeit (in 24 400 Jahren ist von der jetzt produzierten Menge immer noch die Hälfte vorhanden), und es ist „bombenfähig“, es lassen sich ohne allzu hohen technischen Aufwand Atombomben damit bauen. Eine Gesellschaft, in der es eine größere Zahl von Brutreaktoren gäbe, erforderte einen hohen technischen Aufwand Atombomben damit zu bauen. Eine Gesellschaft, in der es eine größere Zahl von Brutreaktoren gäbe, erforderte einen hohen Kontrollaufwand, der unweigerlich auf die ganze Gesellschaftsstruktur Auswirkungen hätte. Schon heute sind diese Auswirkungen in nicht mehr zu verharmlosenden Anzeichen zu erkennen, z.B. beim Kontrollaufwand, der notwendig ist, um Erpresser von vorhandenen kerntechnologischen Anlagen fernzuhalten. Von der Notwendigkeit , bürgerliche Freiheiten einschränken zu müssen, wird offen gesprochen. Der Fall Traube lüftete ein klein wenig den Vorhang für die bereits getroffenen Kontrollmaßnahmen, die schon jetzt tief in dieGesellschaft hineinwirken und aus einem liberalen Politiker wie Maihofer „sachnotwendig“ einen Polizeistaatsminister gemacht haben. Prinzipiell muß für diese Technologie jeder als potentiell unzuverlässig eingestuft werden. Nur durch ein umfangreiches Kontrollsystem, das mit der Ausdehnung der Technologie auch auf immer mehr Menschen ausgedehnt werden muss, z.B. auch auf die Menschen, die nur im privaten Bereich Kontakt mit einem „Kernmenschen“ haben, kann die Gefährdung abgemildert werden. Streng genommen, erfordert diese Technologie eine „nukleare Priesterschaft“, wie sie vom Physiker Alvin Weinberg auch vorgeschlagen wurde: Eine Züchtung von total disziplinierten Menschen, Engeln oder Maschinen gleich, die, der Zerfallszeit von Plutonium angemessen, eine vieltausendjährige stabile Herrschaft errichten, denn politische Unruhe, Revolutionen oder Kriege müßten unbedingt verhindert werden. Einem so gravierenden Einfluß auf die Herrschaftsstruktur der Gesellschaft könnte man nur entgehen , wenn man , wie ebenfalls Weinberg vorschlägt. Die nukleartechnologischen Anlagen zu rießigen „Energieparks“ zusammenfaßte und sie zusammen mit ihrer Priesterschaft total isolierte nicht nur von der biologischen, sondern auch von der sozialen Umwelt. Da sowohl diese Isolierung, als auch die Züchtung von Engeln ein Wunschtraum von Nuklearpropheten bleiben wird, bleibt nur das alte Konzept für die totale Kontrolle: Eintotalistärer Staat. Ist die Kerntechnologie als vorherrschende Energieerzeugungstechnologie erst einmal in einer Gesellschaft installiert, wird eine Zentralmacht mit hoher Kontrollbefugnis über jeden einzelnen Bürger sachnotwendig. (…) Zu den sozialen Konsequenzen , die aus der Gefährdung durch Radioaktivität entstehen, kommen noch die Wirkungen auf die Sozialstruktur hinzu, die kerntechnischen Anlagen als Großtechnologie, als Große Maschine ausüben, wie die Hierarchisierung von Entscheidungsstrukturen und die Ausschaltung demokratischer Verfahrensregeln. Auch hat eine Energieversorgung durch zentrale Großkraftwerke schwerwiegende ökologische und gesellschaftliche Nachteile


3 Antworten auf „Wie Atomkraft und ein Repressionsstaat sachnotwendig zusammenhängen“


  1. 1 lost&found 02. Oktober 2010 um 13:45 Uhr
  2. 2 wow 09. Februar 2011 um 6:35 Uhr

    das ist ja total an der Realität vorbei :D aber geile Linke Kampfbegriffe ^^

  3. 3 fuku 16. März 2011 um 13:12 Uhr

    Die Uneingeweihten wollen das Sicherheitsgefasel nicht glauben? Let them eat Yellowcake!

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