Sarah in Ordnungshaft

Sarah, die an der Gleisblockade bei Berg beteiligt war und derzeit vor dem Amtsgericht Kandel der „Beihilfe zur Nötigung“ angeklagt ist, engagiert sich auch über das Thema Atomkraft hinaus in vielen umweltpolitischen Bereichen, so auch gegen Gentechnik. Aufgrund ihres Engagements gegen diese Risikotechnologie trat sie am Mittwoch, den 20. Oktober 2010 eine fünftägige Ordnungshaft in der Justizvollzugsanstalt Bühl an.

„Da hat man eben Pech in einer Demokratie“

Für eine Genfeldbefreiung im Sommer 2008 der Initiative Gendreck-weg stand sie am Amtsgericht Kitzingen vor Gericht, wo sie, ihr Mitangeklagter und Prozesszuschauer sich weigerten, vor dem Richter aufzustehen. Richter Betz hat Ordnungsstrafen gegen beide Angeklagte und einen Prozessbeobachter verhängt.

Der Prozessbeobachter hat seine dreitägige Haft bereits Ende August in der JVA Giessen verbüßt. Weitere Aktivist_innen haben ihre Verurteilungen für die Genfeldbefreiung im Sommer 2008 ebenfalls im Gefängnis abgesessen.
Am aufsehenerregendsten ist vermutlich der Fall des Autors und Gentechnikkritikers Jörg Bergsted, der für eine Feldbefreiung im Jahr 2006 eine 6monatige Haftstrafe in der JVA Giessen im September antreten musste.

Sarah erklärte zu ihrem Haftantritt: „Ich werde für fünf Tage ins Gefängnis gesperrt, weil ich vor Richter Betz nicht aufstehen wollte. Warum darf ein Richter mich zu Respekt zwingen, der so wenig Respekt vor meinem Leben in Freiheit hat?“ Sarah geht davon aus, dass diese Repression System hat: „Ich erlebe heute immer wieder, wie Konzerne ihre Profitinteressen gegen den Willen der Betroffenen durchsetzen. Gerichte schützen in diesen Fällen meist nicht die Betroffenen, sondern kriminalisieren wichtige soziale Proteste.“

Befreit wurde im Sommer 2008 ein Acker im Landkreis Kitzingen auf dem der gentechnisch veränderte Mais Mon810 von Monsanto angepflanzt wurde, der inzwischen wegen seinen Umweltauswirkungen verboten ist. Sarah begründet ihre Teilnahme an der Aktion folgendermaßen: „Genfeldbefreiungen sind wirksam und notwendig. Anhand der vielen Auskreuzungsskandale in den letzten Jahren zeigt sich: Wir müssen die Ausbreitung von giftigen, gentechnisch veränderten Organismen dort stoppen, wo sie sich ausbreiten: auf den Feldern!“

Im Berufungsprozess vor dem Landgericht Würzburg in zweiter Instanz wurden alle Anträge der Angeklagten als wahr anerkannt, die belegen, dass die üblichen Methoden demokratischer Teilhabe die Gefahren des heute verbotenen Mon 810 Genmaises nicht hätten bannen können und dass die Feldbefreiung als einziges wirkungsvolles Mittel gegen die Umweltgefahren übrig blieb. Die Angeklagte plädierte für den „rechtfertigenden Notstand“, § 34 StGB, nachdem Rechtsbrüche straffrei sind, wenn sie schlimmeres Übel abwenden und ein geeignetes Mittel sind. In Versailles, Frankreich hatte es bereits Freisprüche für Genfeldbefreier_innen aufgrund dieser Rechtslage gegeben. Sie wurde dennoch zu 25 Tagessätzen verurteilt, mit der Begründung: da habe „man eben Pech in einer Demokratie“.

„Meine Ordnungshaft ist nur eine von vielen repressiven Werkzeugen, die gegen soziale und ökologische Bewegungen eingesetzt werden, um sie zu brechen. Ich glaube: wer Repression säht, wird Widerstand ernten“, kommentiert Sarah ihre Ordnungshaft.

Weitere Informationen zu Sarahs Ordnungshaft auf der Webseite inhaftierten
Gentechnikkritikers Jörg Bergstedt:
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