Castor von Ahaus nach Russland abgesagt

Immer wieder hieß es von verschiedenen Seiten, dass Landesregierungen kaum juristische Möglichkeiten hätten, um derartige Castor-Transporte zu stoppen – aber nun zeigt sich: Politisch ist viel mehr möglich als man denkt. Breite und entschlossene gesellschaftliche Bündnisse können Erfolge erzielen!

Atomminister Röttgen musste angesichts des massiven Drucks russischer und deutscher Atomkraftgegner_innen die Transporte von Ahaus nach Majak stoppen!! Er lehnte am Montag die Erteilung einer Genehmigung für die in den nächsten Wochen geplanten Castor-Transporte aus dem nordrhein-westfälischen Zwischenlager zur russischen Wiederaufarbeitungsanlage ab.

Der CDU-Politiker begründete dies damit, ihm fehle die „positive Überzeugung“, dass die vorgeschriebene „schadlose Verwertung“ des Atommülls gewährleistet sei. Die Atomanlage im Majak (die ansonsten den Fluss Tetscha verseucht … ) sei gegenwärtig nicht in Betrieb. Erst wenn das garantiert sei, könne Sachsen evtl. in Zukunft einen neuen Antrag stellen.
In diesem Zusammenhang nannte Röttgen seine Entscheidung „zunächst endgültig“ – Röttgen will sich also die Tür für zukünftige Atommüllexporte nach Russland offenhalten. Wachsam bleiben!

Majak im Südural gilt als eine der größten nuklearen Dreckschleudern der Welt. Seit den 50er-Jahren wurden die Hinterlassenschaften der sowjetischen Nuklearfabrik in Flüsse und Seen gekippt, aus denen Mensch und Tier Wasser bezogen. Bei einer Explosion im Jahr 1957 soll mehr Radioaktivität freigesetzt worden sein als bei der Tschernobyl-Katastrophe 1986. Erst 2007 wurden die Bewohner eines Dorfes in der Umgebung zwangsweise umgesiedelt. Bis heute wird russischen Umweltschützer_innen zufolge rund um Majak strahlender Abfall abgekippt.
FAZ-Artikel zu Majak

In bis zu 18 Castor-Behältern sollten 951 Brennelemente, die aus dem stillgelegten sächsischen Forschungsreaktor Rossendorf stammen, nach Russland gebracht werden. Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte den Transport im September genehmigt. Die Ausfuhrgenehmigung stand aber noch aus. Die Brennelemente waren aus der Sowjetunion in die damalige DDR geliefert worden. Russland verpflichtete sich zur Rücknahme. Die Brennstäbe werden im zentralen Zwischenlager Ahaus gelagert. „Sie bleiben dort“, sagte eine Sprecherin Röttgens.

Positiv waren die Reaktionen der Küstenstädte zum Thema Castor und Atomtransporte. Bleibt zu hoffen, dass die Hafenstädte Bremen, Hamburg, Rostock, Lübeck, … nun Nägel mit Köpfen machen und alle Atom- und Urantransporte durch ihre Häfen verbieten. Das würde z.B. die Urananreicherung in Gronau und die Brennelementefertigung in Lingen und damit damit einige Rädchen der Atommaschinerie stark blockieren.

ABER: In Jülich warten bereits 152 Castoren für das Zwischenlager Ahaus, die 2011 starten sollen. Und noch immer wird schwach- und mittelradioaktiver Atommüll aus Duisburg und Jülich in Ahaus eingelagert, obwohl der als „Endlager“ vorgesehene Schacht Konrad immer mehr als Fata Morgana am Horizont wegschwimmt. Und auch an der UAA Gronau soll womöglich schon ab 2011 ein Zwischenlager für Uranmüll hochgezogen werden. Atommüll lässt sich nicht „entsorgen“ – wir brauchen dringend den sofortigen Atomausstieg.

Deshalb bleibt es dabei: Kommt am 12. Dezember um 14 Uhr zur Demo am Zwischenlager Ahaus !!

Außerdem stehen am 15./16. Dezember natürlich ersteinmal die Proteste gegen den Castor-Transport aus Südfrankreich nach Lubmin an.
Mehr dazu auf den Seiten von Lubmin-Nixda.

Atommüllverschiebung ist keine Entsorgung – Castor stoppen!

Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen
SOFA Münster
BI „Kein Atommüll in Ahaus“