Prozess um Blockade bei Caen

Ein 24-jähriger Tischler aus dem Wendland und sechs Menschen aus Frankreich standen am Mittwoch, 08. Dezember in der Normandie vor Gericht. Sie betonten, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen deutschen und französischen Atomkraftgegner_innen ist. Anfang November war ihnen mit einer Ankettaktion die erste Blockade des Castor-Transports nach Gorleben gelungen.

Durch die Protestaktion hatte sich die Weiterfahrt des Zuges bei Caen um dreieinhalb Stunden verzögert. Wegen weiterer Aktionen hatte der Castor-Transport bis zu seiner Ankunft in Gorleben am 9. November mehr Vezögerung als je zuvor.

Jetzt drohen ihnen ein halbes Jahr Haft, eine Geldstrafe und hohe Schadensersatzforderungen.
Nebenkläger in dem Prozess ist der französische Atomkonzern Areva, der den deutschen Atomabfall nach der Aufarbeitung zurück nach Deutschland transportiert hatte. Auch die französische Staatsbahn SNCF schloss sich der Klage an. Sie gibt an, durch die dreistündige Blockade in Caen seien 16 Züge ausgefallen.

Atomkraftgegner – auch aus Deutschland – werfen der Polizei vor, brutal gegen die Blockierer_innen vorgegangen zu sein.
„Die Demonstranten waren in Eisenrohren angekettet“, beschreibt Francois Levallet seine Sicht der Ereignisse. „Die Polizei hat die Rohre mit einem Winkelschleifer durchgesägt und weil sie das Metall nicht gekühlt haben, haben sie die Hände der Demonstranten schwer verbrannt und einem von ihnen die Sehnen an der Hand durchtrennt, sodass er merhfach operiert werden musste.“
Niemand hatte mit der Brutalität der französischen Bereitschaftspolizisten gerechnet. Es sei völlig unmöglich gewesen, überhaupt mit ihnen zu reden.

Die Blockierer_innen haben Strafanzeige gegen die Polizei gestellt, doch das Verfahren gegen die Beamt_innen wurde bereits einen Tag vor der Verhandlung gegen die Aktivist_innen eingestellt. Das französische Anti-Atom-Netzwerk „Sortir du nucléaire“ schreibt dazu: „Es ist kein Zufall, wenn die Klage der AktivistInnen am Vortag des Prozess zu den Akten gelegt wird. Diese Entscheidung steht im Zusammenhang mit der absichtlichen polizeilichen Gewalt, die nur gemeint waren, Aktionen ziviler Ungehorsamkeit niederzuschlagen. Solche Aktionen stören, indem sie den Mangel an Transparenz und die autoritäre Seiten des Atomsystems betonen.“

Wegen Verkehrsbehinderung forderte die Staatsanwaltschaft Bewährungsstrafen zwischen zwei und drei Monaten sowie Geldstrafen von 2000 bis 3000 Euro. Die Urteilsverkündung des Gerichts wurde auf den 26. Januar 2011 festgesetzt. Ihre Protestaktion sei „sehr gut vorbereitet“ gewesen, sagte Staatsanwältin Catherine Denis. Als Nebenkläger traten die französische Bahngesellschaft SNCF und der französische Atomkonzern Areva als Betreiber der Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague auf.

Die Angeklagten, drei Frauen und vier Männer, sind zwischen 22 und 32 Jahren alt und gehören der Organisation Groupe d‘Actions Non Violentes Antinucléaires (Ganva) an.
Vor Gericht begründeten sie ihren Widerstand mit der großen Gefahr, die von den radioaktiven Castor-Behältern ausgehe. Sie wollten ihren Protest als zivilen Widerstand gewertet sehen. Ihre Anwältin Mélanie Le Verger warf den Sicherheitskräften ein „unmenschliches“ Vorgehen gegen die Atomkraftgegner vor.
Der Vorsitzende Richter behauptete, dass von den Castor-Behälter eine wesentlich geringere Gefährdung ausginge als etwa Waggons mit Pestiziden.

Der Atomexperte von Greenpeace Frankreich, Yannick Rousselet, sagte als Zeuge aus, dass als illegal eingestufte Protestaktionen seiner Organisation dazu beigetragen hätten, die Entsorgung von Atommüll im Meer 1993 gesetzlich zu verbieten. Vor dem Gerichtsgebäude bekundeten mindestens hundert Aktivisten ihre Unterstützung für die Angeklagten.

Berichte über die Aktion:
indymedia
Video zu der Blockade
Interview mit einem beteiligten Aktivisten
Nachrichten im französischen Fernsehen

Presse zu dem Prozess:
Tagesschau
AFP
europe-online
Greenpeace-Magazin
Stern

Mehr Infos:
Groupe d‘Actions Non Violentes Antinucléaires (GANVA)