Japan: Erdbeben, Störfall-AKWs und nuklearer Notfall

Die Medien berichten erschreckendes aus Japan. Ein Erdbeben, das als solches bereits Menschenleben gekostet hat, verursacht Störfälle in den AKWs, bei denen trotz Abschaltung das Risiko einer Kernschmelze bestehen bleibt. Die Menschen in der Region Fukushima, wo das Kühlsytem eines AKWs versagt hat, werden bereits evakuiert.

Im folgenden verschiedene Pressemeldungen dazu:

Auszug Tageschau – 13:35 Uhr

Feuer auf Gelände von Atomkraftwerken
In einem Turbinengebäude des Atomkraftwerks Onagawa in der Provinz Miyagi brach ein Feuer aus. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) teilte mit, vier Atomkraftwerke in der Nähe des Erdbebengebietes seien aus Sicherheitsgründen abgeschaltet worden. In zwei Atomkraftwerken ist offenbar die Kühlung ausgefallen. Die Behörden versicherten, dass kein radioaktives Material ausgetreten sei. Allerdings wurde für einen Reaktor der Notstand ausgerufen.
In mindestens zwei Fabriken gab es Explosionen. Zahlreiche Industrieunternehmen der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt mussten die Produktion einstellen. In einer Ölraffinerie in Tokios Nachbarprovinz Chiba brach ein gewaltiges Feuer aus, gefolgt von einer Explosion.

Tagesschau-Ticker – 13:37 Uhr

Anwohner von AKW werden evakuiert
In Japan sind rund 2000 Anwohner einer Atomanlage aufgefordert worden, das Gebiet zu verlassen. Wie die örtlichen Behörden mitteilten, sollte das Gebiet um eine Atomanlage in der nordöstlichen Präfektur Fukushima im Umkreis von zwei Kilometern evakuiert werden.

Auszug aus der TAZ

Nach dem Erdbeben in Japan – Atomarer Notstand ausgerufen
Nachdem in einem Akw das Kühlsystem ausgefallen ist, hat Japan den atomaren Notstand ausgerufen. …
Nach dem schweren Beben vor der Küste Japans sind rund 2.000 Anwohner einer Atomanlage in der Präfektur Fukushima aufgefordert worden, das Gebiet zu verlassen. Wie die örtlichen Behörden am Freitag mitteilten, sollte das Gebiet um eine Atomanlage evakuiert werden. Wegen des Bebens hatten sich nach Angaben der Regierung in Tokio elf japanische Atomkraftwerke automatisch abgeschaltet.
Die japanische Regierung hat vorher Medienberichten zufolge beschlossen, den atomaren Notstand auszurufen. Dieser tritt dann ein, wenn der Austritt von Radioaktivität sich bestätigt oder ein Kühlsystem ausfällt. …
Die Agentur Jiji hatte gemeldet, dass im Akw Tepco Fukushima Daiichi, betrieben von der Firma Tokyo Electric Power, das Kühlsystem ausgefallen sei. Radioaktivität sei aber nicht ausgetreten. Später meldete Jiji unter Berufung auf die Regionalbehörden in Fukushima, die Kühlsysteme seien intakt. Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete, dass im Akw Onagawa der Firma Tohuko Elec ein Feuer ausgebrochen ist. Zuvor hatte Kyodo berichtet, der Betreiber habe keine Informationen über irgendwelche Probleme mit seinem Atomkraftwerk. …
Alle japanischen Atommeiler müssen auf felsigem Untergrund gebaut werden, dies dient dem Dämpfen von Erschütterungen. Am Meer liegende Kraftwerke sind zusätzlich mithilfe von Mauern gegen Tsunamis gesichert. Nach dem verheerenden Erdbeben in Kobe im Jahr 1995, bei dem mehr als 6400 Menschen ums Leben kamen, wurden die Vorschriften noch einmal verschärft. Seitdem müssen alle Reaktoren mindestens Erdstößen der Stärke 7,75 standhalten können, in besonders gefährdeten Regionen sogar Beben bis 8,25. Das Beben vom Freitag hatte eine allerdings eine Stärke von 8,8 bis 8,9.

Auszüge aus dem Spiegel

Erbeben-Katastrophe – Japan evakuiert Umland von Störfall-AKW
Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes hat Japan den nuklearen Notfall ausgerufen: Mehrere Atomkraftwerke wurden abgeschaltet, in zwei kam es zu schweren Zwischenfällen. Im AKW Fukushima fiel das Kühlsystem aus, das Umland wird evakuiert. Experten sind zutiefst beunruhigt.
Tokio – Japan ist von dem stärksten jemals gemessenen Erdbeben seiner Geschichte getroffen worden. Nach Polizeiangaben kamen mindestens 60 Menschen ums Leben, befürchtet werden allerdings wesentlich mehr Tote. …
Das Erdbeben hat Störfälle in zwei Atomkraftwerken ausgelöst. In Fukushima hat das Kühlsystem versagt, was im schlimmsten Fall zur Kernschmelze führen kann. Japans Regierungschef Naoto Kan hat daraufhin den nuklearen Notfall ausgerufen – zum ersten Mal in der Geschichte des Landes. Es seien zwar keine radioaktiven Lecks festgestellt worden. Doch der Notstand sei ausgerufen worden, damit die Behörden leicht Notfallmaßnahmen ergreifen können, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. „Wir wollen auf das Schlimmste vorbereitet sein. Wir tun alles in unserer Macht stehende, um mit der Situation fertig zu werden.“ In Japan muss ein nuklearer Notstand ausgerufen werden, wenn Strahlung austritt, der Kühlwasserstand einen gefährlichen Wert erreicht oder das Kühlsystem ausfällt.
Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, sei nach dem Erdbeben nicht nur der Hauptstrom, sondern auch ein Notstromaggregat ausgefallen. Westliche Experten zeigten sich zutiefst beunruhigt über diese Entwicklung, denn selbst nach einer Schnellabschaltung ist ein Atomreaktor in seinem Inneren noch lange extrem heiß und muss weiterhin gekühlt werden.
„Bei einem totalen Stromausfall funktioniert kein Sicherheitssystem mehr“, sagte Lars-Olov Höglund, der zehn Jahre lang Chefkonstrukteur der Atomkraftwerke des Vattenfall-Konzerns war. „Wenn das passiert, ist es aus.“ Die Folge wäre unweigerlich eine Kernschmelze. Ähnlich äußerte sich der Greenpeace-Reaktorexperte Heinz Smital. „Selbst ein abgeschaltetes Atomkraftwerk kann noch zum GAU führen.“ Auch nach einer Abschaltung des Reaktors sei eine Kernschmelze wegen der großen Nachwärme nur dann zu verhindern, wenn die Kühlung sichergestellt sei.
Wenig beruhigend wirkt in diesem Zusammenhang, dass die Behörden rund 2000 Anwohner aufgefordert haben, das Gebiet im Umkreis von zwei Kilometern um die Atomanlage Fukushima zu verlassen. Wenig später meldete die Agentur Jiji, die Evakuierungszone sei von zwei auf drei Kilometer um das AKW ausgedehnt worden. Das Kernkraftwerk Fukushima besteht aus sechs Druckwasserreaktoren und ist damit eines der größten der Welt. Das Versagen des Kühlsystems ereignete sich in Reaktor Nummer eins, der seit 1971 am Netz ist.
Mechanisches Versagen im Kühlsystem – Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) hat Japan einen erhöhten Alarmzustand in Fukushima erklärt. Man fordere derzeit weitere Details an, hieß es in einer Mitteilung der IAEA, unter anderem über den Zustand der Reaktorgebäude und der Stromversorgung. Im Kühlsystem habe es eine mechanische Fehlfunktion gegeben, sagte Regierungssprecher Edano. Der Reaktorkern sei heiß und müsse nach der Abschaltung nun abkühlen.“ …
Zugleich war im AKW Onagawa an einem Turbinengebäude ein Feuer ausgebrochen. … Strahlung soll nicht ausgetreten sein.
In Japan sind 54 Reaktoren an 14 verschiedenen Standorten am Netz. Drei weitere AKW sind im Bau, elf werden geplant. Da Japan zu den erdbebenreichsten Ländern der Erde zählt, gelten dort besonders hohe Anforderungen an die Sicherheit der Kraftwerke. Bei Erdstößen werden Reaktoren automatisch abgeschaltet. Trotzdem kam es in der Vergangenheit nach Erdbeben zu Störfällen.
2007 etwa wurden nach einem Beben in der Provinz Niigata 50 technische Defekte in der weltgrößten Atomanlage Kashiwazaki-Kariwa gemeldet. Unter anderem war aus einem Leck radioaktiv belastetes Wasser ins Meer geflossen. Zudem fing ein Transformator außerhalb der Reaktorhallen Feuer. Es war bis dahin der erste Brand in einem japanischen Atomkraftwerk infolge eines Erdbebens. …
Nach dem Erdbeben vom Freitag fiel in weiten Teilen des Landes der Strom aus. Drei Präfekturen im Nordosten – Aomori, Akita und Iwate – lagen zeitweise komplett im Dunkeln, berichtete die Zeitung „Asahi“ auf ihrer Website. Auch in der Präfektur Yamagata gebe es weitgehend keine Elektrizität. Die japanische Millionenmetropole Tokio war praktisch lahmgelegt. Der öffentliche Nahverkehr brach zusammen. Die Menschen harrten meist auf den Straßen aus, weil keine Züge fuhren, hieß es in Fernsehberichten. …
Das Meteorologieamt erklärte, das Beben sei das stärkste, das je in Japan gemessen worden sei, und habe eine Stärke von 8,8 gehabt. Wenig später überrollten Tunamis Japans Küsten. Der Hafen von Sendai im Norden sei von einer zehn Meter hohen Flutwelle getroffen worden, berichtet die Agentur Kyodo. Die gewaltige Welle überspülte die Ostküste der Hauptinsel Honshu. Boote wurden gegen die Küste geschleudert und Autos ins Meer gespült. Inzwischen wurde die Tsunami-Warnung auf den kompletten Pazifikraum ausgeweitet, wie die Wetterbehörden mitteilten. …
Es wurden mindestens 97 Brände gemeldet; nach Angaben der Nachrichtenagentur Jiji mindestens sechs in Tokio. …
Zuvor hätten in Tokio große Gebäude geschwankt, Arbeiter seien schreiend auf die Straße gestürmt. Beim Einsturz eines Daches wurden mehrere Menschen verletzt, teilte die Feuerwehr mit. Die Nahverkehrszüge sowie die U-Bahn in Tokio stellten mittlerweile den Betrieb ein, meldet Kyodo. Passagiere hätten geschrien und sich an den Händen gefasst, berichtet Reuters-Reporter Mariko Katsumura.
Der Betrieb des Hochgeschwindigkeitszugs Shinkansen im Norden des Landes wurde ebenfalls eingestellt. Der Tokioter Flughafen Narita wurde geschlossen. Nach Angaben von Reedern haben auch alle Häfen in Japan den Betrieb eingestellt.
NHK meldet, dass es im Norden Japans bei dem Beben viele Verletzte gegeben hat. In einer brennenden Raffinerie in Chiba nördlich von Tokio habe es Explosionen gegeben. In Chiba geriet laut Kyodo zudem eine Stahlfabrik in Brand.
Auch in Miyagi habe es „zahlreiche“ Verletzte gegeben, berichtete Kyodo. Während ein starkes Nachbeben die Region erschütterte, zeigten Fernsehbilder, wie in einer Hafenstadt Autos und Schiffe von einer ankommenden Welle erfasst wurden. Selbst Häuser wurden fortgespült, wie auf Fernsehbildern zu sehen ist. Mehrere Menschen seien im Norden durch Erdrutsche verschüttet worden, berichtet NHK. In der ostjapanischen Stadt Minamisoma stürzte ein Altersheim ein, berichtete die Zeitung „Yomiuri“.

Auszüge aus der Zeit

Erdbeben AKW fängt Feuer, Kühlsystem versagt
Das Erdbeben in Japan hat Kernkraftwerke schwer beschädigt. Kühlsysteme fallen aus, eine Anlage soll brennen. Japans Regierung hat den atomaren Notstand ausgerufen. …
Radioaktivität tritt derzeit aus keinem japanischen Atomkraftwerk aus. Jedoch ist im AKW Daiichi des Energieunternehmens Tokyo Electric Power das Kühlsystem ausgefallen. Wie es in einer unter anderem über den Fernsehsender NHK World News verbreiteten Erklärung hieß, seien die Kühlpumpen zwar intakt, doch gebe es nicht genug Strom, um sie zu betreiben. Die japanische Regierung erklärte, es gebe jedoch kein Leck, so dass zunächst keine Gefahr von dem AKW ausgehe. In mehreren der betroffenen Regionen ist die Stromversorgung zusammengebrochen. Dadurch könne nicht genug Wasser zur Kühlung in den Reaktor gepumpt werden. Es bestehe aber keine Gefahr einer Kernschmelze, hieß es.
… In Japan hatte sich am Freitag um 14.45 Uhr Ortszeit (06.45 Uhr MEZ) ein großes Erdbeben von der Stärke 8,8 bis 8,9 ereignet. Zahlreiche weitere Beben erschütterten die Region. Das Epizentrum lag 130 Kilometer östlich der Stadt Sendai und knapp 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokyo. Das Beben löste mehrere Flutwellen aus, die weite Landstriche verwüsteten. … Forscher vom Geoforschungszentrum Potsdam rechnen in Japan mit Nachbeben, die sich über Tage hinziehen können. Dadurch könnten weitere Tsunamis ausgelöst werden. Mit solchen Beben müsse man im Bereich des Pazifischen Feuerrings rechnen. Dieser Bereich ist ein Vulkangürtel, der den Pazifischen Ozean umringt.
Am Kernkraftwerk Onagawa im Nordosten Japans ist außerdem nach dem schweren Beben ein Feuer ausgebrochen. Das meldete die Agentur Kyodo. Das Kraftwerk gehört dem Unternehmen Tohoku Electric Power. Zuvor hatte die Agentur berichtet, der Betreiber habe keine Informationen über Probleme mit seinem Atomkraftwerk. Der Brandherd befinde sich in einem Turbinengebäude des Atomkraftwerks Onagawa. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) teilte in Wien mit, insgesamt vier Atomkraftwerke in der Nähe des Erdbebengebietes seien abgeschaltet worden.
Japans Regierungschef Naoto Kan hatte zuvor erklärt, die Atomkraftwerke schalteten sich bei Störungen automatisch ab. Auch hatte er gesagt, dass bei keiner der Atomanlagen des Landes nach dem Beben ein Austritt von nuklearem Material festgestellt worden sei.
Vor vier Jahren waren nach einem Beben bereits drei Reaktoren des japanischen Kraftwerks Kashiwazaki abgeschaltet worden. Das Beben damals hatte eine Stärke von 6,8. Doch einige Kernkraftwerke in Japan sind darauf ausgelegt, Erdbeben, die um ein Vielfaches stärker sind, auszuhalten.


4 Antworten auf „Japan: Erdbeben, Störfall-AKWs und nuklearer Notfall“


  1. 1 Ireneusz Cwirko 11. März 2011 um 18:12 Uhr

    Diese Erdbeben war vorhersagbar. Ich habe ein Tag vor dem starken Erdbeben davor gewarnt.

    http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=30836&page=7

    Ich versuche schon seit zwei Jahren die Verantwortlichen zu überzeugen, dass die so genannte Wissenschaft eine Ansammlung von ahnungslosen Idioten ist die völlig unfähig sind irgend etwas von der Natur zu verstehen die aber sehr gut wissen wie man das Geld aus unseren Taschen zieht.

    Dieser Krake des Idiotentums hat viele Bereiche der Öffentlichkeit gut in Griff.
    Als Reaktion auf meine Warnung wurde ich z.B. bei Spiegel gesperrt. Stattdessen wurden die Menschen mit wissenschaftlichen Müll zugeschüttet obwohl allen klar sein muss dass die Wissenschaft von der Ursachen der Erdbeben keine Ahnung hat..

  1. 1 Feuerwehr News Trackback am 11. März 2011 um 18:36 Uhr
  2. 2 Spass Guru | Humor & Fun Seite Trackback am 15. September 2013 um 23:43 Uhr
  3. 3 Spass Guru | Humor & Fun Seite Trackback am 15. September 2013 um 23:43 Uhr
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