Mögliche Kernschmelze

Die Meldungen aus Japan werden zunehmend gravierender. Es gibt unterschiedliche Einschätzungen darüber, ob nicht bereits eine Kernschmelze im Kraftwerk Fukushima in Gange ist. Dennoch wird nach wie vor beschwichtigt. So spricht beispielsweise Kabinettssekretär Yukio Edano davon, dass aufgrund der Windrichtung und bereits angeordneter Evakuierungen Sicherheit garantiert werden könne.

Lifeticker beim Spiegel
Radioaktives Cäsium sickert aus japanischem AKW

+++ Liveticker +++ Japanisches Militär unterstützt Rettungsaktionen +++
Japan am Tag nach der Katastrophe: Das Land wird von heftigen Nachbeben erschüttert, vielerorts herrscht Chaos. Aus dem beschädigten Atomkraftwerk Fukushima tritt radioaktives Cäsium aus, die Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelze steigt.
[07.33 Uhr] Japan stellt ein großes Militäraufgebot für Rettungsaktionen auf. Ministerpräsident Naoto Kan schickte 50.000 Soldaten, 190 Militärflugzeuge und 25 Schiffe in die vom Erdbeben betroffenen Gebiete. „Die meisten Häuser an der Küstenlinie sind weggespült worden“, sagte Kan nach einem Helikopterflug über das Erdbebengebiet.[ +++ Cäsium tritt aus AKW Fukushima 1 aus +++
[06.29 Uhr] In der Nähe des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima wird radioaktives Cäsium festgestellt. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Atomsicherheitskommission. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kernbrennstäbe des Reaktors schmölzen, sei hoch, meldet die Agentur Jiji unter Berufung auf die Atombehörde. Möglicherweise seien sie sogar schon geschmolzen. Der Betreiber hat daran gearbeitet, den Druck aus dem Reaktorgehäuse abzulassen, um eine Kernschmelze zu verhindern.
Nach der Naturkatastrophe war das Kühlsystem des AKW ausgefallen. Bis Samstag war es nicht gelungen, die Störung zu beheben. Insgesamt gilt für fünf AKW an zwei AKW Standorten der Notstand.

Auszüge eines Berichts auf N-TV

Radioaktives Cäsium tritt aus – Behörde: Eventuell läuft Kernschmelze
… In einem der vom Erdbeben in Japan beschädigten Atomreaktoren ist womöglich eine Kernschmelze im Gange. Betroffen sei der Reaktor 1 im 250 Kilometer nordöstlich von Tokio gelegenen Atomkraftwerk Fukushima 1, meldeten die Nachrichtenagenturen Kyodo und Jiji. Nach Einschätzung der Behörde für atomare Sicherheit „könnte sich dort eine Kernschmelze vollziehen“.
Jiji meldete weiter, die Brennstäbe seien kurz der Luft ausgesetzt gewesen, als der Pegel des Kühlwassers sank. Es werde nun Wasser in den Reaktor gepumpt. Ein Sprecher der Betreiberfirma Tokyo Electric Power (Tepco) sagte hingegen, es sei keine Kernschmelze im Gange. Es werde versucht, den Kühlwasserstand zu erhöhen, um die Temperatur im Reaktor wieder senken zu können. …
Kyodo meldete weiter, in der Nähe von Fukushima 1 sei radioaktives Cäsium entdeckt worden. Im Kontrollraum eines Reaktors von Fukushima 1 war zuvor bereits eine gegenüber dem Normalwert tausendfach erhöhte Radioaktivität gemessen worden. Außerdem war der Druck im Reaktor zu hoch.
Tepco hatte daraufhin die Erlaubnis erhalten, Ventile zu öffnen und Dampf auszuleiten, über den auch radioaktive Substanzen in die Umwelt gelangten. Zehntausende Anwohner im Umkreis von zehn Kilometern waren aufgerufen worden, die Gegend zu verlassen.
… Am Morgen nach dem Beben der Stärke 8,9 und dem verheerenden Tsunami, der bis weit ins Land hinein Schiffe, Häuser, Autos und Menschen mitgerissen hatte, wurde an der Ostküste das Ausmaß der Schäden sichtbar. Tausende Häuser sind zerstört. Raffinerien brennen, noch immer steigen dicke Rauchsäulen in den Himmel. Bis Samstagmorgen konnten insgesamt 613 Tote geborgen werden. In Krankenhäusern wurden hunderte Verletzte behandelt. Fast 800 Menschen werden noch vermisst. Etwa 210.000 Menschen verloren ihr Zuhause. …

Auszüge eines Berichts der NZZ

Behörden rechnen mit Kernschmelze – 50.000 Anwohner um japanisches AKW evakuiert
… Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 könnte es nach Angaben eines Vertreters der Atomaufsichtsbehörde zu einer Kernschmelze gekommen sein. Ryohei Shiomi teilte am Samstag mit, Behörden stellten derzeit entsprechende Untersuchungen an. Selbst wenn es zu einer Kernschmelze gekommen sei, gehe für Menschen ausserhalb eines Radius von 10 Kilometern keine Gefahr aus, erklärte Shiomi. So seien die meisten der 51′000 Einwohner im besagten Umkreis evakuiert worden.
Japan hat am Samstag für den AKW Fukushima 1 den atomaren Notstand ausgerufen, nachdem dort das Kühlsystem ausgefallen war. Damit gilt nun für insgesamt fünf Reaktoren in zwei Atomkraftwerken der Notstand. Betroffen sind zwei Reaktoren im AKW Fukushima 1 und drei im nahe gelegenen AKW Fukushima 2. Alle fünf Reaktoren wurden nach dem schweren Erdbeben vom Freitag abgeschaltet.
Nachdem es zunächst geheissen hatte, nur einer der beiden Reaktoren von Fukushima 1 habe wegen eines Stromausfalls Probleme mit der Kühlung, hiess es nun am Samstag, es seien beide Reaktoren betroffen.
… Im Umkreis von Fukushima 1 ist die Radioaktivität gestiegen. Im Innern habe sie das Tausendfache des Normalwerts erreicht, teilten die Behörden am Samstag mit. Die Evakuierungszone werde ausgeweitet. Zuvor hatte die Regierung angeordnet, rund 3000 Anwohner in Sicherheit zu bringen. Sie sollten mindestens drei Kilometer Abstand von der Anlage halten und sich innerhalb von Gebäuden aufhalten.
Um den gestiegenen Druck in einem der betroffenen Reaktoren zu reduzieren, wollen die Behörden dort etwas radioaktiven Dampf ablassen. Die Atomsicherheitsbehörde erklärte, der Druck sei auf das Anderthalbfache des Normalwerts angestiegen. Die im Wasserdampf enthaltene Radioaktivität werde aber die Umwelt oder die menschliche Gesundheit nicht beeinträchtigen.
… Kabinettssekretär Yukio Edano erklärte, die freigesetzte Menge an Radioaktivität sei «sehr gering». Weil bereits Evakuierungen angeordnet seien und der Wind Richtung Meer wehe, «können wir Sicherheit garantieren», sagte Edano auf einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz. Die Ingenieure täten ihr Möglichstes, um das Kühlsystem des etwa 270 Kilometer nordöstlich von Tokio gelegenen Atomkraftwerks wieder in Betrieb zu setzen, teilte die Atomaufsichtsbehörde mit. Insgesamt wurden wegen des Bebens zehn Reaktoren abgeschaltet.

Meldungen der Süddeutschen Zeitung
+++ Live-Ticker zum Japan-Beben +++

[08:59] +++ Explosion in japanischem Atomkraftwerk +++
In dem beschädigten Atomkraftwerk in Fukushima hat es offenbar eine Explosion gegeben. Es habe das Geräusch einer Explosion gegeben, danach sei weißer Rauch aufgestiegen, berichtete der japanische Fernsehsender NHK. Die Ursache sei noch unbekannt. Laut dem Betreiber Tepco scheine es mehrere Verletzte zu geben, meldete die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press.
[09:14] +++ Fernsehen: Teile des Reaktorgebäudes herabgestürzt +++
Fernsehbilder des japanischen TV-Senders NHK deuten darauf hin, dass bei der Explosion Teile der Gebäudehülle des Reaktors Fukushima 1 weggebrochen sind.
[09:24] +++ Betreiber: Vier Verletzte nach Explosion in japanischem AKW +++
Bei einer Explosion im japanischen Atomkraftwerk Fukushima sind nach Erkenntnissen des Betreibers Tepco vier Menschen verletzt worden. Das meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.