Explosion im Kraftwerk Fukushima

Explosionsmeldung nun verifiziert – ein Artikel aus dem Spiegel

Explosion in Atomkraftwerk – Japan erlebt eine nukleare Katastrophe

Der Ernstfall ist eingetreten: Eine Explosion hat das japanische Atomkraftwerk Fukushima 1 zerstört. Teile des Gebäudes wurden abgesprengt, Arbeiter verletzt. Weißer Rauch steigt auf, Menschen fliehen nach Süden.

Tokio – Im beschädigten Atomkraftwerk in Fukushima 1 hat es eine Explosion gegeben. Die Außenhülle des Reaktors scheint abgesprengt worden zu sein, berichtet der Fernsehsender NHK. Die Betreiberfirma des AKW, Tokyo Electric Power Company, bestätigte die Explosion. Vier Arbeiter seien bei dem Vorfall verletzt worden, die Verletzungen seien aber nicht lebensbedrohlich. Die Ursache sei allerdings noch unklar.

Yuko Edano, Sprecher der japanischen Regierung, sagte: „Wir untersuchen immer noch, welche Art von Schäden am Kraftwerk entstanden sind.“ Über den Zustand des Gebäudes gebe es derzeit keine gesicherten Informationen. Man wisse nicht, wie viel Radioaktivität ausgetreten sei. „Wir sind dabei, Strahlungsintensitäten an verschiedenen Orten zu überprüfen.“ Die Situation nach der Explosion in Fukushima 1 sei „vermutlich sehr ernst“ bezeichnet. Er rief die Bevölkerung auf, ruhig zu bleiben.

Nach NHK-Angaben war die Strahlung an der Zufahrt zum AKW um 15.29 Uhr (Ortszeit) um ein Vielfaches erhöht. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat nach eigenen Angaben noch keine weiteren Informationen zu dem Vorfall.

Die Behörde für Nuklear- und Industriesicherheit erklärte, zwei radioaktive Substanzen, Caesium und Jod, seien in der nähe des Kraftwerkes Fukushima 1 festgestellt worden. Dies deute darauf hin, dass einige der Metallbehälter mit Uranbrennstoff zu schmelzen begonnen haben.

Fernsehbilder deuten darauf hin, dass die Explosion sehr heftig war, eine Rauchwolke stieg in den Himmel. Teile der Gebäudehülle des Reaktors wurden weggesprengt. Den Berichten zufolge war der Grad der in der Anlage gemessenen Radioaktivität zudem 20-mal so hoch wie normal.

Anweisungen für den Ernstfall

Nach Informationen der BBC fahren Einsatzkräfte der Polizei mit Sirenen durch die Region und warnen die Menschen per Lautsprecher. Das Gebiet rund um das AKW ist weiträumig abgesperrt. Augenzeugen berichten von Hamsterkäufen. Einige Bürger seien bereits Richtung Süden aufgebrochen, um sich vor einer möglichen Atomkatastrophe im Nordosten des Landes in Sicherheit zu bringen.

NHK sendet Notfallinformationen und bittet die Menschen, sich feuchte Tücher vor das Gesicht zu halten.

Der Sprecher der Atomenergiebehörde empfahl den Menschen, in Innenräumen zu bleiben, Fenster zu schließen, Klimaanlagen abzustellen. Im Freien solle man eine Maske tragen. Es gelte, Hautkontakt mit der Luft so weit wie möglich zu vermeiden. Wer draußen war, solle sofort duschen und seine Kleider ablegen. Die Regierung bereitet sich darauf vor, die Bevölkerung mit Jod zu versorgen.

Notfallteam unterwegs zum AKW

Ein medizinisches Notfallteam wurde zu dem AKW geschickt, für den Fall, dass Menschen dort radioaktiver Strahlung ausgesetzt sein sollten. Zu der Gruppe gehören Ärzte, Pflegepersonal und Fachleute für die Messung von Radioaktivität. Sie sollen ihre Arbeit in einem „Nuclear Desaster Response Center“, fünf Kilometer vom Kraftwerk entfernt, aufnehmen.

Schon vor der Explosion war aus dem AKW Cäsium ausgetreten. Natürliches Cäsium 133 ist ein goldglänzendes, sehr weiches Metall und kommt in winzigen Spuren in den Gesteinen der Erdkruste vor.

Sein radioaktiver Verwandter, das gefährliche Cäsium 137, entsteht bei der Kernspaltung. Bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 waren große Mengen davon entwichen. Das Sperrgebiet um den Reaktor hat bis heute einen Radius von 30 Kilometern.

Es kann über die Abluft oder das Abwasser aus Atomanlagen gelangen und wird direkt oder über die Wurzeln von Pflanzen aufgenommen. Über diesen Umweg kommt es auch in Milch, Fleisch und Fisch. Pilze waren nach der Katastrophe von Tschernobyl besonders belastet. Hohe Konzentrationen können Muskelgewebe und Nieren des Menschen schädigen. Es verteilt sich gleichmäßig im Körper, so dass seine Strahlung den ganzen Organismus trifft.