Presseerklärung zur Blockade des Castortransportes


Am gestrigen Samstag, den 8.11.08 ,12.45 Uhr hat eine Gruppe junger Menschen den Atommüllzug kurz hinter der französisch-deutschen Grenze zum Stehen gebracht. Drei von ihnen ketteten sich an einem Betonblock im Gleisbett fest. Sie wollen den Transport von hochradioaktivem Atommüll ins niedersächsische Zwischenlager Gorleben nicht einfach hinnehmen.

Ihren Protest begründen die BlockiererInnen mit der immensen Bedrohung durch die Atomindustrie – angefangen bei der gefährliche Gewinnung und Aufbereitung von Uran, über das unabschätzbare Risiko, wie es atomare Unfälle in der Vergangenheit zeigten, bis zum ungelösten Endlagerproblem.
Sarah, eine der AktivistInnen meint dazu: “Der Müll in diesen Castorbehältern wird noch Hunderttausende von Jahren strahlen. Solange wir keine sichere Lösung für ihn haben, ist es absolut unverantwortlich, zukünftige Generationen damit zu bedrohen und Atomanlagen weiterlaufen zu lassen.”

Durch die Informationen, die in letzter Zeit über das gescheiterte Gorleben-Pilotprojekt Asse II bekannt wurden, gewinnt der Protest erneut an Aktualität. Auch das Endlagersymposium Ende Oktober in Berlin hat keine nennenswerten Ergebnisse geliefert. Weltweit gibt es kein sicheres Endlager für hochradioaktiven Müll. Dennoch wird tagtäglich mehr davon produziert.

Als Alternativen zur atomaren und fossilen Energiegewinnung muss ernsthaft in den Ausbau regenerativer Energien investiert werden. Div. Studien und sogar Vattenfall-Chef Joseffson bestärken, dass wir bereits heute die technischen Möglichkeiten haben, um auf erneuerbare Energien umzusteigen. Im Übrigen ist auch Atomstrom im gesamten Verarbeitungsprozess alles andere, als klimafreundlich. “Es gibt Alternativen! Das bedeutet für uns, Strom dezentral und selbstorganisiert zu erzeugen. Zum Beispiel in vielen Kleinanlagen wie Blockheitzkraftwerken oder Solaranlagen. JedeR ist verantwortlich, die Industrie wie einzelne VerbraucherInnen, die auch durch ihren Lebensstil mitentscheiden.” so Franziska.

Die Aktion enstand in einer Gruppe unabhängiger Individuen, die den Zusammenhang zwischen der Nutzung von Atomenergie und Herrschaft und Gewalt sehen. Denn ohne einen autoritären Staat und Großkonzerne kann Atomkraft nicht funktionieren. Die Transporte sind nur mit polizeistaatlichen Methoden gegen die Mehrheit der Bevölkerung durchsetzbar. Sicher ist, dass es solange Widerstand geben wird, bis alle Atomanlagen abgeschaltet sind.

“Wir ketten uns an in Solidarität mit AtomkraftgegnerInnen in Frankreich, im Wendland, den Cree und Dene in Kanada,den Mirrar und Aborigenes in Australien, den Tuareg in Nigeria und anderen anderswo. Wir handeln aus Entschlossenheit und brauchen dazu keine Parteien oder Verbände. Die Brutalität, mit der der Staat und die Konzerne ihre Interessen durchsetzen, zeigt die Normalität eines Systems, das wir so nicht wollen!” so Florian.